

Er hat bei groβen Meistern gelernt und sie sich sorgfältig ausgesucht. Jodorowsky ist russischer Abstammung und in Chile aufgewachsen. Heute lebt er in Paris als Regisseur und Produzent surrealer Filme (Kult: El Topo, 1970) und Theateraufführungen, als Comicautor, Schriftsteller und Kartenleger und nicht zuletzt: als Erfinder der Psychomagie. Dazu ist er bei den besten Magiern, Sehern und Schamanen in die Lehre gegangen und hat sich verschiedene paranormale Methoden angeeignet. Aber anstatt nun selbst zu zaubern oder zu heilen, hat er diese Mittel rationalisiert und bringt seine Patienten dazu, sich selbst zu verzaubern.
Video. Mickey als Zauberlehrling
Seine Geschichten sind im doppelten Sinne fantastisch. Bei Jodorowsky muss man die Realität wie einen Traum betrachten und die Träume so, als wären sie Wirklichkeit geworden. Man bliebe in einem ständigen Schwebezustand, ohne genau zu wissen, ob das, was geschieht, nicht doch eine Illusion ist. Der Alltag wäre voller Magie, denn sie für Jodorowsky ist die Essenz des Lebens. Im Traum dagegen müsste man aktiv werden, mit vollem Bewusstsein das tun, wozu uns das Unterbewusstsein verleitet. Jodorowsky beruft sich hier auf die Theorien des luziden oder auch Klartraums, die bewusstes Eingreifen in das Traumgeschehen für möglich halten.
Video. Trailer zu Santa Sangre (1989)
Jodorowsky hat viele Menschen mit auβergewöhnlichen, ja unglaublichen Fähigkeiten getroffen, Magier, Seher, Schamanen, wie etwa Pachita aus Mexiko, die mit bloβen Händen jedes Leiden zu heilen verstand und dabei scheinbar absurde Handlungen vollbrachte. Oder wie die Tochter Gurdjieffs, die ihn in der einen oder anderen Liebesnacht die Künste ihres Vaters nahebrachte. Wie funktioniert also die Psychomagie? Und: kann man sie erlernen?
Video. Jodorowsky im Interview
Was Psychomagie ist, kann man bei Jodorowsky selbst erfahren, sei es in seinen Seminaren oder in einer der (kostenlosen) privaten Sitzungen, in denen er aus den Tarotkarten liest. Wer mit einem Problem zu ihm kommt, bekommt die Karten gelegt und wird dann meist zu einer Reihe absurd scheinender Handlungen aufgefordert, die die Schwierigkeiten aus der Welt schaffen sollen. Natürlich sind die Tarotkarten nur ein Hilfsmittel für ihn, um sich auf sein Gegenüber einzulassen und in dessen Innersten den Ursprung seines Leidens auszumachen. Für Jodorowsky ist dieser immer in der Familie zu finden, meist sogar in weit zurück liegenden Generationen, die das Problem immer weiter gegeben haben. Und da es sich um unbewusste Zusammenhänge handelt, können diese nur durch irrationale Handlungen wieder gelöst werden.
Video. Die Anfangssequenz aus El Topo, von und mit Alejandro Jodorowsky (1970)
Man kann die Psychomagie durchaus erlernen, aber es ist ein steiniger Weg dorthin, nicht zuletzt, weil die Magie ein gewisses Maβ an Unschuld und Reinheit, aber auch Selbstkontrolle und Disziplin verlangt. Der gröβte Feind des Psychomagikers ist daher die Faulheit. Und das gilt auch für alle, die geheilt werden wollen. Der stärkste Verbündete des Leidens ist der Leidende selbst, betont Jodorowsky. Und darum muss man, um wirklich gesund zu werden (und das ist es, was die meisten Patienten wollen), zuweilen einen hohen Preis zahlen, wozu manche Kranken nicht bereit sind. Dabei geht es nicht um Geld, sondern vielmehr um etwas, das alle Erwartungen und Gewohnheiten über den Haufen wirft. Schlieβlich sind sie es meistens, die das Leiden verursacht haben, das so immerhin als Schlüssel zu einem wahren Sein fungieren kann.
Video. Remix: Wonderful life